Versicherungsproduktwissen
Produktwissen verbindet fachliche Inhalte (Deckungen, Ausschlüsse, Bedingungen) mit operativen Regeln (Tarifierung, Zeichnung, Leistung) und ist damit die Grundlage für stabile, regelkonforme und effiziente Versicherungsprozesse.
Bedeutung für die Unternehmensprozesse
Produktwissen steuert die End‑to‑End‑Abläufe und sorgt für einheitliche Entscheidungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette:
- Beratung und Bedarfserhebung: passgenaue Bausteine, Zielgruppenlogik, klare Leistungsaussagen
- Antrag und Underwriting: Pflichtangaben, Annahmerichtlinien, Risikoprüfung, Zeichnungsgrenzen
- Tarifierung und Prämienfindung: Ratingfaktoren, Zu-/Abschläge, Selbstbehalte, Bonus/Malus
- Polizzierung und Inkasso: korrekte Dokumente, Produkt- und Tarifstände, Zahlungsmodalitäten
- Bestandsverwaltung: Änderungen, Verlängerungen, Indexierung, Migrationen zwischen Produktständen
- Schaden/Leistung: Deckungsprüfung, Sublimits, Obliegenheiten, schnelle und konsistente Entscheidung
- Reporting/Controlling: Profitabilität nach Produkt/Segment, Loss Ratio, Storno, Conversion
Auswirkungen auf Systeme, Daten und Schnittstellen
Damit Produktwissen wirksam wird, muss es strukturiert, versioniert und maschinenlesbar vorliegen:
- Produktmodell: Bausteine, Optionen, Parameter, Abhängigkeiten, Deckungsumfang
- Tarif-/Regel-Engine: zentrale Ablage von Ratingformeln und Geschäftsregeln für Antrag, Bestand, Schaden
- Datenqualität: valide Stammdaten, Pflichtfelder, Plausibilisierung, Audit-Logging
- Schnittstellen: Austausch von Produkt- und Tarifständen mit Vertrieb, Partnern und Portalen
- Dokumente: AVB/Produktinfos aus gleichen Quellen wie Tarif und Regeln, um Widersprüche zu vermeiden
Technischer Kern ist ein konsistentes Produkt-Repository mit Versionen und Stichtagen, das in die Prozesssysteme eingebunden ist. Es gibt verschiedene Anbieter von Lösungen zur Speicherung von Produktwissen. Teilweise sind dies stand-alone Lösungen wie VP/MS, teilweise sind sie mit dem System der Vertragsverwaltung verzahnt.
Bereitstellung des Produktwissens über Schnittstellen für Antragsprozesse
Produktwissen wird für Antragsprozesse idealerweise als versioniertes, maschinenlesbares Modell über klar definierte APIs bereitgestellt.
- Produkt- und Tarifkatalog:
- Endpunkte zur Abfrage von Produkten, Bausteinen, Deckungen, Ausschlüssen und Dokumentreferenzen
- Versionierung mit Stichtagen (produktStand, tarifStand), inklusive Deprecation-Hinweisen
- Tarifierung und Validierung:
- Calculate: deterministische Prämienberechnung anhand eines Schemas (z. B. JSON Schema) für Eingaben
- Validate: fachliche Prüfregeln (Pflichtfelder, Abhängigkeiten, Zeichnungsgrenzen) mit strukturierten Fehlermeldungen
- Regel- und Dokument-Referenz:
- Abfrage von Geschäftsregeln/Zeichnungsrichtlinien inkl. Gültigkeit und Quelle
- Konsistente Verweise auf AVBs / Produktinfos passend zum Produkt- und Tarifstand
- Sicherheit und Betrieb:
- Authentifizierung: OAuth2/OIDC, Scope-basierte Berechtigungen (Tarifierung, Antrag, Dokumente)
- Idempotenz und Nachvollziehbarkeit: Idempotency-Key, Korrelation-ID, Audit-Logs
- Performance: Caching unveränderlicher Produktstände, ETags/If-None-Match, Paginierung
- Stabilität: semantische Versionen, rückwärtskompatible Änderungen, Sandbox- und Produktionsumgebungen
Ergebnis: Der Vertrieb kann konsistent beraten und tarifieren, während Antragsstrecken verlässlich und regelkonform arbeiten.
Bereitstellung Produktwissen für LLMs
Über Schnittstellen wie MCP können LLMs sicher und kontrolliert auf Produktwissen zugreifen, ohne dass sensible Logik direkt in Prompts eingebettet werden muss.
VP/MS ® ist eine eingetragene Marke von DXC Technology.
