Antragsfragen

Als Antragsfragen werden Felder im Antrag bezeichnet, die das Versicherungsprodukt in konkrete Beziehungen zur Realität setzen, ohne die Prämie zu beeinflussen. Klassische Antragsfragen sind:

  • Die Daten von Personen und ihre Rolle im Vertrag

  • Inkassoinformationen wie BIC und IBAN

  • Sicherstellungen

  • Namentliche Bezugsrechte

Sie haben per definitionem keinen Einfluss auf die Prämie. Deshalb sind diese Felder nicht Bestandteil einer Produktkonfiguration oder Berechnung, sondern erst Bestandteil des Antrags und in weiterer Folge des Vertrags.

Antragsfragen und Risikoparameter

Risikoparameter dienen dazu, Produktkonfigurationen validieren und Berechnungen ohne die Konkretisierung der Antragsfragen durchführen zu können. Trotz dieser bewussten Trennung teilen sich bestimmte Risikoparameter und Antragsfragen ein Objekt. So ist das Geburtsdatum in der Personenversicherung ein wichtiger Risikoparameter der versicherten Person. Vor- und Nachname der Person sind wichtige Antragsfragen zur versicherten Person und alle Attribute sind Teil des gleichen Personenobjekts. Manche Risikoparameter abstrahieren also von den konkreten Objekteigenschaften für die Zwecke der Prämienberechnung.

Unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten im Antragsobjekt

Für Antragsfragen gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie sie im Antragsobjekt behandelt werden können.

Elemente des Antragsobjekts

Eine naheliegende pragmatische Möglichkeit ist, die Antragsfragen in das Antragsobjekt neben die Produktkonfiguration zu legen.

Dies ist zum Beispiel für ein Binärdokument des Antrags, welches den gesamten Antrag repräsentiert, ein guter Platz. Aber auch Detailfragen, die sich auf den gesamten Antrag beziehen, wie z.B. Fragen zur Datenverwendung oder zum Inkasso lassen sich so gut unterbringen.

Wichtig ist, dass die Fragen eine 1:1 Beziehung zum Antrag und zur Produktkonfiguration haben. Sind die Angaben Konkretisierungen, die sich auf eine bestimmte Stelle im Produktbaum beziehen, so ist diese Lösung aber nicht mehr so zufriedenstellend. Vollends unbefriedigend wird die Lösung, wenn die Kardinalität nicht mehr 1:1 ist, z.B. wenn eine Information an mehreren Stellen im Produktbaum verwendet werden soll.

Als Erweiterung des Produktbaums

Wird eine Konkretisierung eines Umstands an einer ganz bestimmten Stelle des Produktbaums benötigt, so erschwert die Unterbringung direkt im Antragsobjekt das Verständnis. Für diesen Fall ist eine Erweiterung des Produktelements für den Antrag die bessere Lösung. Die Antragsfragen können dann an der sachlich richtigen Stelle untergebracht werden.

Eine Erweiterung des Wurzelelements des Produktbaums ist aufgrund seiner 1:1 Kardinalität zum Antragsobjekt sehr ähnlich zum zuvor geschilderten Lösungsweg der Unterbringung der Antragsfrage direkt im Antragsobjekt. Hier sollte an Hand des sachlichen Bezugs entschieden werden, ob das Element dem Antrag oder dem Produktbaum zuzuordnen ist.

Als Objekte

Wenn an verschiedenen Stellen im Produktbaum die gleiche Information benötigt wird, wie es z.B. bei Personeninformationen der Fall sein kann, dann können diese Objekte neben dem Produktbaum liegen und mit diesem verlinkt werden.

Objekte referenzieren in den Vertragsbaum

Diese Lösung setzt eine eindeutige Beschreibung voraus, welches Element dies im Vertragsbaum ist. Dies kann abhängig von der Gestalt des Produktbaums unterschiedlich anspruchsvoll sein. Im Falle eines Kfz-Antrags mit nur einem Kfz ist es klar, dass eine Vinkulierung einer Leasinggesellschaft sich auf das eine Kasko-Element bezieht. Handelt es sich um ein Wechselkennzeichen mit mehreren kaskoversicherten Fahrzeugen funktioniert diese implizite Lösung nicht mehr. Allgemein setzt diese Lösung eine lokale Baustein-Id voraus oder eine Möglichkeit, einen Pfad anzugeben.

Objekte werden aus dem Vertragsbaum heraus referenziert

Bei dieser Lösung werden die Objekte mit der Beantwortung der Antragsfragen aus dem Produktbaumheraus referenziert. Die Produktbausteine brauchen dazu die Art und die Id des Objekts. Es werden also Nummernkreise benötigt. Die Bausteine müssen gegenüber denen in der Validierung oder Berechnung erweitert sein, um eine Liste von Referenzen aufnehmen zu können.

Technologie

Die Überlegungen zur Abbildung sind abhängig von der verwendeten Technologie. In hierarchisch organisierten Dokumenten wie XML oder Json dient die Hierarchie der Elemente im Allgemeinen der Abbildung des Produktbaums. Referenzen auf andere Objekte sind schwieriger einzubringen. Dies muss über Ids erfolgen.

Verwendet man ein Datenformat für linked Data, ist es sehr viel einfacher ein Objektnetz zu kommunizieren.