Produktwissen

Das Produktwissen ist der Teil der Norm, der beschreibt, was ein Versicherungsprodukt ist und welche Konfigurationen davon zulässig sind: das Verkaufsprodukt mit seinen Bausteinen, Attributen, Kardinalitäten und Risikoobjekten, die Regeln, nach denen eine Konfiguration gültig ist, die Antragsfragen und die Personen und Rollen, die zu einem Vertrag gehören. Es wird vom Versicherer a priori festgelegt und zur Laufzeit ausgespielt, damit ein Client – ein Vermittlersystem, ein Smart-Client oder ein KI-Agent – ein Produkt konfigurieren kann, ohne es vorher zu kennen.

Das Produktwissen ist die Struktursäule des Vokabulars (Schichten des Vokabulars) und der Kern des Profils Produktwissen (Profile der Norm). Es ist unabhängig vom Vorgang, in dem es verwendet wird: Dieselbe Produktdefinition trägt die Konfiguration in der Antragsstrecke, die Änderung einer bestehenden Konfiguration in der Vertragsänderung und den Wechsel auf ein aktuelles Produkt in der Konvertierung. Wie Geschäftsfälle, Geschäftsobjekte und Operationen damit umgehen, beschreibt das Prozesswissen.

Aufbau

  • Produkt und Produktkonfiguration – was ein Produkt ist: Kalkulation und Regelwerk, Risikoparameter als formale Schnittstelle zwischen Produkt und konkretem Fall.

  • Produktmodell: Produktbaum und Instanzbaum – das Vokabular p: für die Produktdefinition und i: für die Produktinstanz: Verkaufsprodukt, Bausteine, Attribute, Kardinalitäten, Risikoobjekte, Beispiele aus dem Beispielkatalog der Norm.

  • Versicherungsprodukte als Regelwerke – wie Zulässigkeit, Pflichtangaben und Wertebereiche als SHACL-Shapes beschrieben und geprüft werden.

  • Antragsfragen – Fragen, die ein Versicherer zu Produkt oder Risiko stellt und die als Teil des Produktwissens ausgespielt werden.

  • Objekte – Risikoobjekte wie Fahrzeug, Gebäude oder Person und ihre Zuordnung zu Bausteinen.

  • Antrags- bzw. Vertragsrollen – Versicherungsnehmer, versicherte Person, Zahler und weitere Rollen, die eine Konfiguration zum Antrag und zum Vertrag ergänzen.

Verwendung in den Geschäftsfalltypen

Geschäftsfalltyp Rolle des Produktwissens

Antragsstrecke

Das gewählte Verkaufsprodukt wird vom Produktwissen zur Konfiguration ausgespielt; Berechnung, Offert, Antrag und Vertrag tragen diese Konfiguration und reichern sie an. Erster umgesetzter und erprobter Typ.

Vertragsänderung

Ausgangspunkt ist die Konfiguration des bestehenden Vertrags, ausgespielt mit dem Produktwissen des Produkts, auf dem der Vertrag läuft; der Änderungsantrag ändert sie mit denselben Bearbeitungen wie die Antragsstrecke.

Konvertierung

Das Produktwissen des aktuellen Produkts liefert die Zielkonfiguration; eine Auskunft zum bestehenden Vertrag nennt die Produkte, auf die konvertiert werden kann, und schlägt eine Konfiguration vor, die der Konvertierungsantrag übernimmt und anpasst.

Schadenmeldung und -bearbeitung

Das Produktwissen beschreibt den Deckungsumfang der Bausteine, gegen den eine Schadenmeldung geprüft wird; die Schadenmeldung selbst ist kein Produktwissen (Beschreibung folgt mit dem Geschäftsfalltyp).

Abgrenzung

Das Produktwissen sagt, was konfiguriert werden darf; das Prozesswissen sagt, wie ein Vorgang abläuft: welche Geschäftsobjekte es gibt, welche Operationen in welchem Zustand zulässig sind und wer sie anstößt. Die beiden Säulen sind durch Verweise verbunden: Ein Geschäftsobjekt trägt eine Produktkonfiguration als Inhalt, und ein Folgeschritt nennt die erwartete Form einer Konfiguration als Shape des Produktwissens.